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Sonntag, 4. März 2018: Tag der Archive zum Thema „Demokratie und Bürgerrechte“

Es beteiligen sich das Kreisarchiv Zollernalbkreis und die Stadtarchive Albstadt, Balingen und Geislingen. In den genannten Stadtarchiven finden ab 13.30 Uhr bzw. 14.00 Uhr Vorträge und Veranstaltungen statt.

Um 15.30 Uhr beginnt die Veranstaltung des Kreisarchivs Zollernalbkreis im Sitzungsaal des Landratsamtes Zollernalbkreis (Hirschbergstraße 29, Balingen). Zunächst werden zwei Kurzvorträge gehalten. Der Vortrag von Kreisarchivar Dr. Andreas Zekorn trägt den Titel „Aufstand in der Fastnacht. Tote an der Grenze – Der Kampf um Rechte in der Frühen Neuzeit im Spiegel von Kleindenkmalen“. Der Vortrag greift neben dem Motto des Tags der Archive auch das Schwerpunktthema der Heimatkundlichen Vereinigung 2018 „Kleindenkmale“ auf: Zunächst geht es um zwei Kleindenkmale, die von Narrenvereinen initiiert wurden und die sich auf die Untertanenunruhen in der Grafschaft Zollern im 17. und 18. Jahrhundert beziehen. Es handelt sich um eine Stele mit einem Fuchskopf auf dem Dorfplatz in Haigerloch-Owingen, die an das Jahr 1699 erinnert, als eine Reihe von Prozessen und Revolten begann, die in Owingen ihren Anfang nahm, als sich die dortigen Bürger weigerten, einen Fuchs für den Fürsten auszugraben. Der Narrenbrunnen in Bisingen bezieht sich auf das Ende der Revolten im Jahre 1798, als der Landesvergleich abgeschlossen wurde, dem die Bisinger aber nicht beitraten und deshalb bis heute den Namen „Nichthuldiger“ tragen.

Bei Albstadt-Onstmettingen erinnern u.a. „Freipirschgrenzsteine“ aus dem Jahre 1583 an die Auseinandersetzungen um die Freie Pirsch in diesem Gebiet. Zahlreiche württembergische Untertanen ließen in dieser Gegend vom 16. bis ins 18. Jahrhundert ihr Leben, weil sie ihr Recht auf die Pirsch wahrnehmen wollten und dabei als angebliche Wilderer von zollerischen Jägern erschossen wurden.

Der Vortrag von Dr. Michael Walther trägt den Titel „Geschichte nicht nur vom Ende her denken. Hindenburg, Aussetzung der Bürgerrechte im Nationalsozialismus und die Vertreibung der Balinger Juden“. Paul von Hindenburg (1847 – 1934) war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. So war der als Weltkriegsgeneral verehrte „Sieger von Tannenberg“, auch am Sturz der Monarchie im November 1918 beteiligt. Seit 1925 Reichspräsident, hatte Hindenburg einen entscheidenden Anteil an der Transformation der demokratisch verfassten Weimarer Republik in die nationalsozialistische Diktatur. Entgegen einer immer noch weit verbreiteten aber veralteten (Lehr-)Meinung,  gab es weder eine sog. „Hindenburg-Kamarilla“ noch war der Reichspräsident „altersschwach“. Hindenburgs „Übertragung“ der Regierungsgewalt an eine Koalition der „nationalen Kräfte“ unter Reichskanzler Adolf Hitler war vielmehr den inhaltlichen Gemeinsamkeiten von Hindenburg und Hitler in zentralen Fragen der deutschen Politik geschuldet. Im April 1933, noch unter der Präsidentschaft Hindenburgs, wurde das erste gegen Juden gerichtete Ausnahmegesetz („Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“) erlassen. Die gesellschaftliche Ausgrenzung und der allmähliche Verlust der Bürgerrechte hat auch Balinger Bürger betroffen, die Familie Schatzki und den Arzt Dr. Alexander Bloch.

Im Anschluss an den Vortrag von Dr. Walther wird eine kleine Ausstellung des Kreisarchivs präsentiert, in der ausgewählte Unterlagen zum Thema Epochen der Demokratie und Bürgerrechte im Spiegel der Quellen des Kreisarchivs Zollernalbkreis vom Alten Reich bis zur Wiedervereinigung 1990 gezeigt und erläutert werden.

Bei der Veranstaltung wird auch ein Buch über kaum bekannte Vorkämpfer für Demokratie und Bürgerrechte in Balingen und Umgebung angeboten. Es trägt in schwarz-rot-goldenem Umschlag den Titel „In Alt-Balingen für eine neue Zeit - Die beiden Rebellen Jakob Huzel und ihr Umfeld“. Auf Grund von vielseitigen Archivstudien berichtet darin Adolf Klek entlang der außergewöhnlichen Lebenswege zweier Schullehrer  detailgetreu über Menschen und Ereignisse in Balingen in der Zeit vom Stadtbrand bis zum Ende der Revolution von 1848.

Kreisarchiv Zollernalbkreis 15.30 bis 17.00 Uhr
Zwei Kurzvorträge: Kreisarchivar Dr. Andreas Zekorn und Dr. Michael Walther. Im Anschluss wird eine kleine Ausstellung des Kreisarchivs präsentiert.
Landratsamt Zollernalbkreis (Sitzungssaal), Hirschbergstr. 29, Eintritt frei.

Stadtarchiv Balingen 13.30 bis 15.00 Uhr
Auf Spurensuche: Das Stadtarchiv Balingen stellt stadtgeschichtliche Dokumente über „Demokratie und Bürgerrechte“ vor. Um 14.00 Uhr besteht Gelegenheit, die Magazine zu besichtigen. Geöffnet ist von 13.30 bis 15.00 Uhr. Stadtarchiv Balingen, Charlottenstr. 31, 72336 Balingen.

Stadtarchiv Albstadt 14.00 bis 17.00 Uhr
Das Archivteam präsentiert Archivalien zum Thema „Demokratie und Bürgerrechte“, also handschriftliche Texte, Zeitungen, Druckschriften und Fotos. Um 14.30 und 16.00 Uhr gibt es die Möglichkeit, während einer Führung auch das Magazin kennenzulernen, wo die Unterlagen des Stadtarchivs geschützt lagern. Stadtarchiv Albstadt, Johannesstraße 5 (Bildungszentrum Unoth), 72458 Albstadt-Ebingen.

Stadtarchiv Geislingen 13.30 bis 17.00 Uhr
Präsentation der neuen Archivräume mit Ausstellung. Stadtarchiv Geislingen, Schlossstraße 15, 72351 Geislingen.

Der Flyer zu dem Tag der Archive kann hier heruntergeladen (6,633 MB)werden.