Wirtschaft – Konfessionen, Religionen - Kultur

von Dr. Andreas Zekorn

Die unterschiedliche Vergangenheit der einzelnen Gebiete des Zollernalbkreises wirkte sich u.a. dahingehend aus, dass der ehemals württembergische Teil im 19. und 20. Jahrhundert eine andere Wirtschaftsstruktur aufwies als der hohenzollerische und wohl früher industrialisiert wurde. Dominierend war vielfach die Textilindustrie; hervorzuheben sind ebenfalls die feinmechanische Industrie (Waagenbau), das lederverarbeitende Gewerbe (Schuhmacherei), das Holzgewerbe sowie die Elektrotechnik. Für die Industrialisierung war der Eisenbahnbau – von Preußen zur Förderung der Wirtschaft Hohenzollerns vorangetrieben - von großer Bedeutung (1874 - 1878: Eisenbahnstrecke Tübingen - Hechingen - Balingen - Ebingen - Sigmaringen; 1899 - 1912 Hohenzollerische Landesbahn: Eyach - Haigerloch - Hechingen - Gammertingen - Sigmaringen; 1911 Balingen - Schömberg, 1928 Weiterführung nach Rottweil).

Die unterschiedliche Geschichte macht sich ebenfalls bei der konfessionellen Zusammensetzung der Bevölkerung bemerkbar: die Konfessionszugehörigkeit im altwürttembergischen Teil des Altkreises Balingen, wo die Reformation durchgeführt wurde, war überwiegend evangelisch; im Altkreis Hechingen und in den neuwürttembergischen Gebieten war die Konfession vorwiegend katholisch. Doch auch innerhalb der Konfessionen wird anhand der kirchlichen Verwaltungsstrukturen noch heute die Vergangenheit ersichtlich: 1950 wurde der Kirchenkreis der vormals Hohenzollerischen Lande mit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg vereinigt. Zum evangelischen Dekanat und Kirchenbezirk Balingen gehören damit Großteile der früheren Landkreise Balingen, Hechingen und auch Sigmaringen. Der Bereich um Rosenfeld ist aber noch dem Dekanat Sulz, derjenige um Burladingen dem Dekanat Reutlingen zugewiesen. Bei der katholischen Kirche gehören die früheren hohenzollerischen Orte zum Erzbistum Freiburg, die Orte im ehemals württembergischen Gebiet zur Diözese Stuttgart-Rottenburg. Ferner macht sich bei der katholischen Kirche ebenfalls noch die alte Kreiseinteilung bemerkbar: die Hechinger Orte sind dem Dekanat Zollern, die Balinger dem Dekanat Balingen, die Sigmaringer (inklusive Hartheim und Heinstetten) dem Dekanat Sigmaringen und Schörzingen dem Dekanat Rottweil zugeordnet.

Besonders hervorzuheben sind die beiden Städte, in denen früher Juden lebten: in Hechingen wird erstmals 1435 ein Jude erwähnt, die erste Hechinger Judengemeinde löste sich um 1576 auf; im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts siedelten sich wieder Juden an und es entstand schließlich eine relativ große jüdische Gemeinde (1858: 496 Juden). Auch in Haigerloch gab es seit dem 16. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde; zudem waren in anderen zollerischen Orten zeitweilig Juden ansässig. Das Ende dieser jüdischen Gemeinden kam 1941 mit der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft, die durch die Ermordung der Juden auch ein reiches kulturelles Erbe vernichtete.

Die verschiedenartige Geschichte und Konfessionszugehörigkeit wirkte sich auf die Gestaltung der Kulturlandschaften "mit eigenständigen Traditionen in Sitte und Brauchtum, Lebensart und Lebensauffassung" (Seigel) aus. Ganz deutlich wird dies etwa bei der Fastnacht, die im katholischen Raum fest verankert ist und erst in jüngerer Zeit auch in evangelischen Gebieten Wurzeln schlägt.

Die unterschiedliche Geschichte zeigt ihre Auswirkungen dann insbesondere auch bei den vorhandenen Kunstdenkmälern und Sehenswürdigkeiten, zunächst – relativ einfach – an den unterschiedlichen Ausgestaltungen der evangelischen und katholischen Kirchen. Äußerlich kenntlich sind die katholischen Gebiete zudem häufig an den errichteten Feldkreuzen. Spuren jüdischen Lebens finden sich noch in Hechingen und Haigerloch (Synagogen, jüdische Friedhöfe). Der Zollernalbkreis kann mit Haigerloch und Hechingen zwei ehemalige Residenzstädte vorweisen, die entsprechend baulich ausgestaltet sind, sowie mit Balingen, Ebingen und Rosenfeld drei ehemalige württembergische Amtsstädte. Es sind Klosterbauten (z.B. St. Luzen, Rangendingen, Margrethausen, Binsdorf) und Reminiszenzen der Reichsritter (z.B. Schlösser in Lautlingen, Geislingen, Zimmern u.d.B., Dotternhausen) vorhanden. Im industrialisierteren württembergischen Teil finden sich entsprechende repräsentative Industriebauten und –denkmäler. Zahlreiche Museen dokumentieren diese vielfältige Kreisgeschichte.

Zeittafel