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Böden im Zollernalbkreis als Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs

Bodenschichten des ehemaligen Schiefermeiler
Vertikalprofil des ehemaligen Meilers

Der Bundesverband Boden e.V. (BvB) unter Organisation des vereinsinternen Fachausschusses „Kriegsbeeinflusste Böden“ führte vom 1. - 3. Oktober eine geschichtliche bzw. geologisch-bodenkundliche Exkursion im Zollernalbkreis durch. Im Fokus stand hierbei das Unternehmen „Wüste“, welches von den Nationalsozialisten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zur Gewinnung von Schieferöl aus Ölschiefer im Großraum Balingen beschlossen wurde.  

Das Landratsamt Zollernalbkreis beteiligte sich an Teilen der Exkursion: Kreisarchivar Dr. Andreas Zekorn hielt einen Fachbeitrag zur Geschichte und Mitarbeitende der unteren Bodenschutzbehörde nahmen an der bodenkundlichen Aufarbeitung einer ehemaligen Extraktionsanlage teil. 

Für letztere wurden die hügelartigen Überreste eines Meilers auf dem Geischberg in Erzingen besichtigt und bodenkundlich erfasst. Bei dem Meilerverfahren wurde der Schiefer ähnlich wie bei der Holzkohleherstellung mit brennbarem Material überdeckt und anschließend verschwelt. „Da die Bodenbildung ein sehr langsamer, aber fortwährender Prozess ist, der auch nach Störungen der natürlichen Standortverhältnisse abläuft, ist der Meiler inzwischen in das Landschaftsbild des Geischbergs eingebunden“, fasst Dr. Johannes Scheckenbach vom Amt für Umwelt und Abfallwirtschaft beim Landratsamt die bodenkundliche Untersuchung durch den BvB zusammen. Dies ließe sich am oberflächlichen Bewuchs des Meilers erkennen, welcher sich auf Basis einer jungen Oberbodenschicht auf dem aufgeschichteten, verschwelten Ölschiefer bilden konnte. „Der anthropogen aufgebrachte Ölschiefer stellt hierbei das neue sog. Ausgangssubstrat der Bodenbildung dar und zeichnet sich durch leuchtend gelbe, rot bis purpurne Färbungen aus, welche im Zuge der unterschiedlich hohen Hitzeeinwirkung der Verschwelung entstanden“, so Scheckenbach weiter. Insgesamt ist der Bereich des ehemaligen Meilers ein hervorragendes Beispiel für die im Bundes-Bodenschutzgesetz verankerte Funktion von Böden als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte.
Im umliegenden Gebiet wurden die natürlich entwickelten Böden des Geischbergs untersucht. Aufgrund des hohen Tongehalts ist eine Bearbeitung dieser Böden nur unter bestimmten Feuchtigkeitsverhältnissen möglich, wodurch sie als „Minutenböden“ bezeichnet werden und der fachgerechten Bewirtschaftung ein hoher Stellenwert zur Erhaltung der natürlichen Bodenfunktionen zukommt.  

Während der Exkursion erfolgte durch den lokalen Balinger Arbeitskreis „Wüste“ eine historische Betrachtung der im Zuge des Unternehmens errichteten Konzentrationslager bzw. „Wüste“-Werke und begangenen Kriegsverbrechen der Nationalsozialisten. Durch das Engagement des Arbeitskreises wurden u.a. Gedenkstelen errichtet, die sich der Information und dem Gedenken an das Unternehmen Wüste widmen. 

Da sich BvB für eine Verbesserung der fachlichen Grundlagen des Bodenschutzes einsetzt und als Plattform für Einzelpersonen, Organisationen, Firmen und Behörden einen konstruktiven Austausch zum Thema Bodenschutz fördert, ergab sich für die Teilnehmenden außerdem die seltene Möglichkeit der Diskussion von Problemstellungen aus verschiedenen Perspektiven.