Kontakt

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hirschbergstraße 29
72336 Balingen
Marisa Hahn

Pressesprecherin

Telefon (0 74 33) 92 11 36
Anja Heinz

Stellvertretende Pressesprecherin

Telefon (0 74 33) 92 11 37

Kindertagesbetreuung: wichtiger Infrastrukturbereich in den letzten 10 Jahren massiv umgewälzt

In der letzten Sitzung des Jugendhilfeausschusses stellte die Fachberatung für Kindertageseinrichtungen beim Landratsamt, Conny Richter die Situation der Kindertagesbetreuung im Zollernalbkreis vor. Im Vergleich zur Lage vor zehn Jahren wird die enorme Entwicklung dieses wichtigen Infrastrukturbereichs besonders deutlich.

So stieg die Zahl der Gruppen in den Einrichtungen von 300 auf 408. Für die Betreuung der Kinder sind statt der vor 10 Jahren dafür ausreichende 770 pädagogische Fachkräfte heute 1.356, also nahezu doppelt so viele beschäftigt. Die Gründe hierfür sind zum einen der gewaltige Ausbau der Betreuung unter 3-jähriger Kinder. Die Anzahl der Krippegruppen ist von 15 in 2010 auf jetzt 90 Gruppen angestiegen. Diese Entwicklung spiegelt sich in der Kindertagespflege wider. Hier ist die Anzahl der unter 3-jährigen betreuten Kinder von 88 in 2010 auf 232 angewachsen.  Zudem erfordert die Inanspruchnahme längerer Betreuungszeiten erheblich mehr Fachpersonal. Die klassischen Kindergartenzeiten mit Vor- und Nachmittagsbetreuung werden immer weniger in Anspruch genommen. Stattdessen werden zunehmend verlängerte Öffnungszeiten mit bis zu sieben Stunden am Stück oder die Ganztagesbetreuung, die oft bis zu zehn Stunden am Tag umfasst, nachgefragt. Infolgedessen spielt das Angebot des Mittagessens, das 2010 lediglich von 682 Kindern in der Kindertageseinrichtung eingenommen wurde, mit 2.069 gebuchten Mittagessen in 2020 eine große Rolle.  Aus diesen Gründen wies Conny Richter auf die große Verantwortung der Träger hin, hinsichtlich der Qualität nicht nur in Bezug auf das Essen, sondern auch auf die Bewegungsförderungsmöglichkeiten für eine sehr gute Ausstattung zu sorgen. Sowohl die Einschulungsuntersuchungen als auch eine im Herbst vorgestellte AOK-Statistik zeigen bedenkliche Befunde auf. Die Kindergartenkinder im Zollernalbkreis weisen häufiger als im Landesdurchschnitt grobmotorische Auffälligkeiten auf. Die Anzahl der übergewichtigen Kinder ist höher als in den umliegenden Landkreisen. „Kindergartenträger sollten deshalb keinesfalls bei Um- oder Neubauten auf einen Bewegungsraum in der Kindertageseinrichtung verzichten“, appellierte die  Fachberaterin. Den gestiegenen Qualitäts-Anforderungen aus Elternschaft, Gesellschaft und Wirtschaft an die Kindertagesbetreuung begegnen sowohl die Landespolitik wie die Bundespolitik mit entsprechenden Gesetzen und Programmen.  Ergänzend zur Sprachförderung wurden neben den bereits bestehenden Programmen zur Förderung der Motorik und der sozial-emotionalen Kompetenzen weitere Fördermöglichkeiten zur Verfügung gestellt. Weil die Leitung der Kindertageseinrichtungen immer komplexer und anspruchsvoller wurde, sollen diese nun durch Schulungen des Landes weiterqualifiziert werden.  Der Bericht endete mit dem Ausblick auf die zu erwartende Entwicklung: Der Ausbau der Angebote für unter 3-jährige Kinder ist ebenso weiter voran zu bringen, wie eine bedarfsgerechte Erweiterung der Öffnungszeiten. Gegen die ohnehin bereits angespannte Lage auf dem Fachkräftemarkt will die Kreisverwaltung mit der Schaffung zusätzlicher Ausbildungsmöglichkeiten wie der vergüteten praxisintegrierten Ausbildung und der Möglichkeit zur Ausbildung in Teilzeit im Zollernalbkreis etwas unternehmen.

(Erstellt am 19. November 2020)