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Veranstaltung des Landwirtschaftsamtes: „Herdenschutz-Herausforderung Wolf“

Die Vortragsveranstaltung des Landwirtschaftsamtes Zollernalbkreis zum Thema “Herdenschutz - Herausforderung Wolf“ Mitte März 2019 wurde von rund 50 Teilnehmern aus den Landkreisen Ravensburg und Reutlingen sowie dem Zollernalbkreis und dem Hohenlohekreis besucht. Die große Teilnehmerzahl sowie die teils sehr weiten Anfahrtswege zeigten wie groß das Interesse der Tierhalter an diesem Thema ist.

Referent des Abends war Frank Lamprecht, selbst langjähriger Weidetierhalter (Landschaftspflege mit Biss) und seit letztem Jahr auch Mitarbeiter des Projekts „Herdenschutz in der Praxis“ des NABU Baden-Württemberg und des Landesschafzuchtverbandes. Frank Lamprecht legte den Fokus seines Vortrages auf die Sicherung mit Zäunen und Netzen sowie den Einsatz von Herdenschutzhunden. Die besondere Topografie in Baden-Württemberg, besonders in Gebieten die mit Schafen und Ziegen offen gehalten werden, erfordert ein genaues und fehlerfreies Zaunmanagement. Allein durch das Einhalten der Empfehlung zur Höhe der Zäune und Netze von mindestens 90 Zentimetern (Überspringen der Zäune) sei aber noch lange kein sicherer Herdenschutz erreicht. Das Wesentliche eines sicheren Weidezaunes sei eine durchgängige Spannung von mindestens 4000 Volt. Die ausreichende Stromspannung scheitere häufig an einer mangelnden Erdung, die auch durch trockene und steinige Böden oder das Einwachsen der Zäune entstände. Besonderes Augenmerk sei aber darauf zu richten, dass die Zäune keine Möglichkeiten zum Durchschlüpfen für den Wolf bieten. Wölfe würden die Zäune selten überspringen, sondern eher nach einem Durchschlupf suchen. Eine hohe Spannung sei deshalb umso wichtiger, damit Wölfe negative Erfahrungen mit Zäunen machen und diese zukünftig meiden. Bleibe diese unangenehme Erfahrung aus, lerne der Wolf schnell, dass Zäune keine Gefahr darstellten, verdeutlichte Lamprecht die wichtige präventive Wirkung des Zäunens zum Herdenschutz. Grundsätzlich könne gesagt werden, dass es noch einige offene Fragen zu praxistauglichen Zäunen gebe, an denen derzeit intensiv gearbeitet werde. Genauere Informationen zum korrekten Zäunen mit dem Ziel des Herdenschutzes sind auf der Homepage des NABU Baden-Württemberg www.baden-württemberg.nabu.de zu finden. Der Einsatz von Herdenschutzhunden zur Abwehr von Wölfen erfordere noch viel Forschungsarbeit, um die Erfahrungen anderer europäischen Länder wie z.B. Slowenien, die viel mit Herdenschutzhunden arbeiten, auf das klein strukturierte Baden-Württemberg übertragen zu können. Aus diesem Grund kann der Einsatz von Hunden derzeit nicht unter allen Umständen empfohlen werden. Vielmehr sei im Vorfeld eine intensive und individuelle Beratung nötig sowie die Bereitschaft der Tierhalter sich intensiv mit dem Thema zu befassen und reichlich Zeit in die Betreuung der Herdenschutzhunde zu investieren. Im Rahmen seines Vortrages stellte Lamprecht verschiedene Hunderassen vor, die grundsätzlich als Herdenschutzhunde geeignet sind. Bei der Auswahl der Rasse des Hundes sei auf eine ausreichende Wachsamkeit und Territorialität bei gleichzeitiger Umgänglichkeit gegenüber Menschen zu achten. Das gleichzeitige Halten von Herdenschutzhunden und Hütehunden sah Lamprecht dabei erfahrungsgemäß nicht als Problem an. Das Mitführen in der Hütehaltung ist in der Praxis kaum durchführbar. Das Führen von Herdenschutzhunden erfordere sehr viel Wissen und bedeute auch eine große Umstellung für den Tierhalter/Schäfer, da die Hunde entgegen der Hütehunde gewöhnt seien, selbständig zu arbeiten. Im Anschluss an den Vortrag diskutierten die Teilnehmer noch intensiv untereinander und mit dem Referenten. Da der Wolf ein sehr schlaues Tier ist und schnell lernt, werden keine Fehler im Herdenschutz verziehen was verdeutlicht, dass die Vorbeugung vor allem durch sicheres Zäunen die wichtigste Maßnahme ist.