Todesfabrik KZ Dautmergen. Ein Konzentrationslager des Unternehmens "Wüste‘“

Neues Buch im Landratsamt Zollernalbkreis vorgestellt

Todesfabrik KZ Dautmergen. Ein Konzentrationslager des Unternehmens „Wüste“

Das neue Buch „Todesfabrik KZ Dautmergen. Ein Konzentrationslager des Unternehmens „Wüste“ mit einem Epilog zu dem polnischen Schriftsteller und KZ-Häftling Tadeusz Borowski“ von Kreisarchivar Dr. Andreas Zekorn wurde Ende Oktober 2019 offiziell im Landratsamt Zollernalbkreis vorgestellt. Nach der Begrüßung durch Landrat Günther-Martin Pauli sprach Lothar Frick, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, einführende Worte. Das Buch wurde nämlich von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg herausgegeben und erschien in der Reihe Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs. Anschließend stellte der Autor das Buch vor Die adäquate musikalische Umrahmung erfolgte durch Patrizia Bieber, Violine, und Cordula Bieber, Klavier, mit Ausschnitten aus dem Violinkonzert D-Dur, op. 35 des österreichisch-amerikanischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold, der wegen seiner jüdischen Herkunft 1938 emigrierte. Er komponierte das Konzert im Jahre 1945. Das Konzentrationslager Dautmergen bei Balingen war eines von insgesamt sieben Konzentrationslagern, die dem mörderischen Unternehmen „Wüste“ dienten. Hier sollte in großem Stil aus Ölschiefer Öl für die Rüstungsproduktion des NS-Regimes gewonnen werden. In den sieben Lagern, die als Außenlager zum KZ-Komplex Natzweiler-Struthof gehörten, arbeiteten ab Juni/Juli 1944 über 12 000 Häftlinge. Weit mehr als 3500 von ihnen starben infolge der unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen oder wurden grausam ermordet. Dr. Andreas Zekorn legt mit dem vorliegenden Buch eine umfassende Darstellung des Konzentrationslagers Dautmergen vor. Sie reicht von der Planung des Lagers über die Opfer und deren Haftbedingungen bis hin zu den Tätern, der juristischen Aufarbeitung der Verbrechen und der Erinnerungsarbeit vor Ort nach 1945. Dem KZ Dautmergen und dem Standort Schömberg kamen im Satellitensystem der „Wüste“-Lager eine gewisse zentrale Funktion zu: hier befanden sich beispielsweise der Sitz der übergeordneten Lagerführer und die Sanitätsstaffel. Der DÖLF, der Deutschen Ölschieferforschungsgesellschaft, war die Betriebsführung der zehn „Wüste“-Werke übertragen. In diese Werke wurden utopische Hoffnungen gesetzt. Die realen Produktionszahlen zeigen, welche Verblendung herrschte. Beim zentral eingesetzten Meilerverfahren zur Ölgewinnung gewann man aus 96 Tonnen Gestein eine Tonne kaum verwertbares Schieferöl. Um diese kargen Produktionsergebnisse, die in dem Buch erstmals genauer dargelegt werden, zu erreichen, wurde das Leben unzähliger Häftlinge geopfert.

Buchvorstellung 29.10.2019 Todesfabrik KZ Dautmergen. Ein Konzentrationslager des Unternehmens „Wüste“
Dienstag, 29.10.2019, um 19.30 Uhr, Buchvorstellung im Sitzungssaal des Landratsamts Zollernalbkreis „Todesfabrik KZ Dautmergen. Ein Konzentrationslager des Unternehmens „Wüste“ mit einem Epilog zu dem polnischen Schriftsteller und KZ-Häftling Tadeusz Borowski“ von Kreisarchivar Dr. Andreas Zekorn  
(von rechts): Professor Dr. Reinhold Weber, Abteilungsleiter Schriften zur politischen Landeskunde, Lothar Frick, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Dr. Andreas Zekorn, Patrizia Bieber, Landrat Günther-Martin Pauli und Cordula Bieber.  

Für die desaströsen Zustände in den KZ-Außenlagern war das Führungspersonal zu einem erheblichen Teil verantwortlich. Bei einem genaueren Blick erscheinen die SS-Lagerführer als ein letztes Aufgebot, von denen einige ihre Unfähigkeit, die Lager zu organisieren, durch besondere Brutalität kompensierten. In dieses Lagersystem waren aber auch die Häftlinge selbst auf perfide Weise eingebunden, um die Lager überhaupt beherrschen zu können. Eingebunden in dieses System waren auch die Wissenschaftler und Zivilisten, die für das Projekt arbeiteten.  Nachdem die KZ bei Kriegsende geräumt und die Häftlinge von französischen und US-amerikanischen Truppen befreit waren, wurden die Ölschieferwerke unter französischer Regie praktisch nahtlos weitergeführt, um die hier gewonnen Erkenntnisse zu nutzen. Doch nicht nur die Franzosen interessierten sich für die Schieferölproduktion, sondern auch amerikanische Nachrichtendienste unter Beteiligung von Briten und Kanadiern. Diese bislang unbeachtete Thematik wird ebenso berücksichtigt wie die juristische Aufarbeitung der Verbrechen durch französische Militärtribunale und deutsche Gerichte oder die Einrichtung der KZ-Friedhöre als erste Gedenkorte für die Opfer unter französischer Regie. Ein Epilog befasst sich mit dem polnischen Schriftsteller Tadeusz Borowski, der Häftling im KZ Dautmergen war und der mit seinen dort angesiedelten Erzählungen und Gedichten schonungslose und sehr bewegende Einblicke in die furchtbare Realität der Konzentrationslage gibt.

Bibliographie

Andreas Zekorn: Todesfabrik KZ Dautmergen. Ein Konzentrationslager des Unternehmens „Wüste“ mit einem Epilog zu dem polnischen Schriftsteller und KZ-Häftling Tadeusz Borowski, Stuttgart 2019 (Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs Band 49, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg) ISBN 978-3-945414-53-8 Preis: 6,50 €

Bucherwerb

direkt bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
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