Das literarische Gedächtnis Hohenzollerns

Ergänzte Fassung des im Druck erschienenen Beitrags von Andreas Zekorn: Das literarische Gedächtnis Hohenzollerns – Die Heimatbücherei Hechingen, in: Schwäbische Heimat 56 (2005), 437-443

Die Hohenzollerische Heimatbücherei Hechingen

Die Hohenzollerische Heimatbücherei ist eine Spezialbücherei, in der man – fast – alles finden kann, was an Literatur in oder über Hohenzollern geschrieben wurde. Sucht man beispielsweise etwas zu dem Nobelpreisträger Albert Einstein oder dem Arzt, Schriftsteller und Politiker Friedrich Wolf, dem Vater des ehemaligen „Spionagechefs“ der DDR, Markus Wolf, und Genaueres zu ihren Verbindungen zu Hechingen - in der Hohenzollerischen Heimatbücherei wird man fündig, wie noch zu sehen sein wird.

Hohenzollern - der Begriff hat verschiedene Bedeutungen: Er meint den Bergkegel, der dem Trauf der Schwäbischen Alb vorgelagert und von einer Burg gekrönt ist, er meint das Haus Hohenzollern aber auch das Land und seine Einwohner. Heute erinnert nur noch wenig an die hohenzollerischen Fürstentümer Hechingen und Sigmaringen, die 1806 die napoleonische Flurbereinigung überlebten, 1850 an Preußen abgetreten wurden und bis 1945 als „Hohenzollerische Lande“ mit einer provinzähnlichen Stellung im preußischen Staat integriert waren. In Gestalt der Landkreise Hechingen und Sigmaringen lebten die alten Landesgrenzen auch nach 1945 fort. Erst mit der Gebietsreform 1973 wurden die alten Grenzen verwischt und das ehemals zollerische Gebiet auf zehn Landkreise aufgeteilt, wenngleich sich die meisten zollerischen Gemeinden in den neuen Landkreisen Sigmaringen und Zollernalbkreis wiederfanden. Als staatsrechtlicher Begriff verschwand der Name Hohenzollern damals vollkommen und ist seitdem nur noch ein historischer Begriff.(1) Die Erinnerung an diesen „dritten“ Landesteil von Baden-Württemberg pflegt insbesondere der Hohenzollerische Geschichtsverein, der eng mit der Heimatbücherei Hechingen verbunden ist. Neuerdings gibt es auch wieder ein Hohenzollerisches Landesmuseum in Hechingen. Das Bewusstsein von Hohenzollern und seinem historischen Sonderweg ist also durchaus noch vorhanden, und das nicht zuletzt dank der Heimatbücherei.

Zur Geschichte der Heimatbücherei

1928 schlug Heinrich Faßbender, Studienrat am Hechinger Reform-Realgymnasium, vor, eine heimatkundliche Bücherei vornehmlich für Schulzwecke zu schaffen. Es hatte zunächst schlicht an Literatur gefehlt, um Schulwanderungen vorzubereiten.
1918 waren an den preußischen höheren Schulen monatliche Pflichtwandertage eingeführt worden, die seit 1924/25 bewusst an den Schulunterricht anknüpfen und primär der Heimatkunde dienen sollten. Vor allem die von anderen preußischen Provinzen nach Hohenzollern versetzten Lehrer hatten mangels Literatur Mühe, sich in Geschichte, Natur und Kultur der Gegend einzuarbeiten. Nachdem im Herbst 1927 im Hechinger Reform-Realgymnasium eine „Wanderbücherei“ zusammengestellt worden war, regte Faßbender im Frühjahr 1928 öffentlich die Schaffung einer Hohenzollerischen Heimatbücherei an. In einer in der Presse veröffentlichten Ansprache vor Abiturienten setzte er sich mit Heimatkunde, Heimatschutz und Heimatpflege auseinander: Die Heimatkunde würde seit etwa 20 Jahren als eines der Mittel angesehen, „um das wiedergutzumachen, was durch Gleichgültigkeit und Hingabe an den Materialismus dem Volk an ideellen Gütern verloren gegangen ist.“ Heimatliche Kulturgüter, wie Bibliotheken oder Archive, gelte es zu schützen, den Heimatgedanken wiederzubeleben und der Bevölkerung ständig nahe zu bringen. Insbesondere durch die Schule könne eine nachhaltige Wirkung erreicht werden, indem eine „heimatfreundliche und heimatkundige Jugend“ erzogen würde. Wesentliche Pflicht der Schule sei es, die Pflege der Heimatkunde zu praktizieren. Um den heimatkundlichen Lehrauftrag erfüllen zu können, benötigten die Schulen eine Heimatbücherei. „In Hechingen und weitester Umgebung, ja einschließlich der Universitätsbibliothek Tübingen, finden Sie als Interessent für Hohenzollerische Literatur keine Stelle, an der Sie auch nur bescheidene Wünsche befriedigen können.“(2)

Lehrer und Schüler sammelten alsbald Literatur in den Familien, bei Verwandten, Behörden und anderen Förderern. Die Heimatbücherei begann mit 25 Landkarten und 20 Büchern. Als 1929 ein von Schuldirektor und Lehrkörper unterzeichnetes Flugblatt mit einem Sammelaufruf erschien, flossen der Bücherei alle Arten von Druckschriften in größerer Zahl zu. Die Schriften wurden sofort in einer Verfasser- und Stichwortkartei bibliographiert. Von Anfang an wurde die von Heinrich Faßbender geleitete Bibliothek auch gerne genutzt: Zählte man im Zeitraum 1929/30 insgesamt 41 „Benützer“ und 99 Ausleihen, so war zehn Jahre später die Zahl der „Benützer“ auf 99 und die der Ausleihen auf 467 gestiegen.(3)

Den Wunsch und den Gedanken an die Gründung einer „Hohenzollerischen Landesbücherei“ hegten ungefähr zeitgleich die aus Hechingen stammenden Geschwister Dr. med. Ernst Senn, Hals-, Nasen-, Ohrenarzt in Konstanz, und Irene Wiedel-Senn, Berlin.(4) Ernst Senn hob in den 1930er-Jahren hervor, dass in Hohenzollern „als einzigem deutschem Teilgebiet“ keine „Landesbibliothek“ exisitierte, die „sich der systematischen Sammlung der über das Land handelnden, im Lande gedruckten, von hohenzollerischen Autoren stammenden Literatur aller Bereiche annahm.“(5) Die Geschwister wollten ihre über drei Generationen gesammelte Familienbücherei mit Zollerana als Grundstock nehmen und einer öffentlichen Bücherei anschließen. Intensiv hatten sie selbst seit ungefähr 1920 zollerische Literatur für eine „Landesbibliographie“ zusammengetragen. Die Sammlung erhielt neben Literatur auch Unikate, Autographen, Flugblätter, Programme, Zeitungsausschnitte und vor allem Fotografien von Landschaften und Personen. Als sich eine Landesbücherei zunächst nicht realisieren ließ, traten sie an die Gymnasialbücherei heran und brachten 1930 ihren Bestand als „Senn’sche Stiftung“ in die „Hohenzollerische Heimatbücherei beim Gymnasium Hechingen“ ein. Zusätzlich stifteten die Eltern Senn 1.000 RM, aus deren Zinsertrag die Bücherei weiter ausgebaut werden sollte. Als weitere Geldgeber wurden die Stadt und der Landkreis Hechingen gewonnen, die ab 1931 einen Zuschuss zur Bestreitung der laufenden Unkosten gaben.(6) Am Ende des Jahres war der Bestand auf 2.000 Bände angewachsen.(7)

Schließlich kam 1933 der Verein für Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern als weiterer wichtiger Partner hinzu, der damals beschloss, dass die Heimatbücherei die heimatkundlichen Bestände der Vereinsbibliothek, einschließlich des Zeitschriftentauschverkehrs, übernehmen und verwalten sollte. Dadurch konnten in der Heimatbücherei vor allem Lücken in den Zeitschriftenreihen aufgefüllt werden, denn ein Schriftentausch bestand und besteht mit zahlreichen historischen und landeskundlichen Vereinen im deutschen Südwesten. Zudem finanzierte der Verein Neuerwerbungen.(8) 1938/39 waren die Bestände der Bibliothek „auf 3.500 Katalognummern mit etwa 7.500 Einzelstücken“ angewachsen.(9)

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs befand sich die Bücherei im Realgymnasium. Als das Gebäude im Herbst 1939 von der Deutschen Luftwaffe beschlagnahmt wurde, musste auch die Bücherei weichen und in wechselnden Notunterkünften Unterschlupf suchen, wobei sie 1940 fast einem Brand zum Opfer fiel. Nachdem die Bücherei 1954 im neuen Gebäude des Landratsamts Hechingen einquartiert worden war, zog sie auf Anregung des damaligen Landrats Hans Speidel 1961 in einen damals fertig gestellten weiteren Neubau des Landratsamts in der Heiligkreuzstraße um, wo sie seitdem untergebracht ist. Dort belegt die Bibliothek mittlerweile fünf Zimmer und den ausgebauten Dachboden, welche Räumlichkeiten vom Zollernalbkreis noch heute kostenlos zur Verfügung gestellt werden.(10)

Als Dr. Ernst Senn der Heimatbücherei im Jahre 1954 seine mittlerweile neu zusammengetragene zweite Privatsammlung mit hunderten von Büchern, Broschüren, Drucken, Zeitungsausschnitten, Handschriften, Fotos und Kunstwerken – insgesamt 5.113 Objekte - übertrug, fand die Bibliothek auf Betreiben des Stifters ihre vertraglich abgesicherte Rechtsstellung in einer „Satzung“. Träger und wesentliche Finanziers der Bücherei sind laut Satzung der Landkreis Hechingen, seit 1973 dessen Rechtsnachfolger der Zollernalbkreis, und die Stadt Hechingen. Sie teilen sich das Honorar bzw. die Personalkosten für den Leiter der Heimatbücherei und die Sekretärin. Beide Partner gewähren auch einen Finanzzuschuss für Neuerwerbungen und Verwaltungsunkosten. Weiterhin ist die Bibliothek des Hohenzollerischen Geschichtsvereins in der Bücherei untergebracht.

Von 1928 bis zu seinem Tode im Jahre 1966 leitete und betreute der Initiator Heinrich Faßbender die Heimatbücherei ehrenamtlich. Sein Nachfolger wurde 1967 der ebenfalls am Hechinger Gymnasium lehrende Alf Müller, der die Bücherei wiederum über einen sehr langen Zeitraum, bis Januar 2003, ehrenamtlich leitete. Ihm folgte der pensionierte Realschullehrer Wolfgang Hermann aus Empfingen nach, dem Helma Luigart, welche die elektronische Erfassung der Neuzugänge und Sekretariatsarbeiten übernimmt, helfend zur Seite steht. Seit September 2018 ist Rolf Vogt M.A. ehrenamtlicher Leiter der Heimatbücherei. (217,5 KiB)

Die Bestände der Heimatbücherei

Den Grundstock der Bestände bilden die Bibliothek des Realgymnasiums, die Senn’schen Stiftungen sowie die Bücherei des Hohenzollerischen Geschichtsvereins. Die Zielsetzungen für die Sammlungstätigkeit und die Bestandsergänzung der Heimatbücherei sind klar umrissen, nämliche eine „möglichst vollständige Sammlung der über Hohenzollern handelnden, von hohenzollerischen Autoren verfassten und der in Hohenzollern selbst gedruckten Literatur. Zu dieser zählen auch jede Art von sonstigen Presseerzeugnissen, von Karten, Bildern, Photographien, Handschriften und handschriftlichen Nachlässen, die Hohenzollern in obigem Sinne betreffen, einschließlich der wissenschaftlichen Hilfsliteratur.“(11) Die Quellen für die Bestandsergänzung der Bücherei sind vielfältig. Neben Neuerwerbungen durch Ankäufe und den Schriftentausch erhält die Heimatbücherei häufig Schenkungen, etwa von Behörden und Privatpersonen. Auch mancher Nachlass wanderte und wandert in die Bibliothek. Stets ist die Bevölkerung aufgerufen, die Heimatbücherei durch Schenkungen von Zollerana zu stärken.(12)

Die Leiter der Heimatbücherei waren und sind eifrig bestrebt, alle neu erschienen Titel, die das hohenzollerische Gebiet betreffen, für die Bibliothek zu erhalten. Der Sammeleifer ist immens. Insbesondere ist man bemüht, auch sogenannte „graue“ Literatur zu erwerben, also Festschriften von Vereinen oder Druckschriften, die häufig nicht an eine öffentliche Bibliothek abgegeben werden. Gerade die Sammelmappen, die zu einzelnen Orten und Sachbetreffen angelegt sind, erweisen sich als wahre Schatzgruben.

Die Bestände der Heimatbücherei sind nach einer, wohl auf Heinrich Faßbender zurückgehenden, Systematik geordnet, die von „A“ wie „Allgemeine Landeskunde“ bis „Y“, worunter die Periodica zu finden sind, reicht. Die Bibliothek ist nicht nur auf historische Literatur, inklusive historische Hilfswissenschaften, ausgerichtet, sondern bietet landesgeschichtliche Werke zu den unterschiedlichsten Themen, beispielsweise auch zu Botanik oder Geologie. Insgesamt finden sich in der Bibliothek rund 10.000 Einzeltitel, darunter circa 780 sehr inhaltsreiche „Sammelmappen“, in denen sich meist zehn oder mehr Aufsätze, Flugblätter, Druckschriften und andere Dokumente mehr finden können. In derartigen Mappen sind auch Zeitungsausschnitte, meist zu hohenzollerischen Orten, gesammelt. Hinzu kommen 148 mehrbändige Werke, darunter Nachschlagewerke oder Quelleneditionen, sowie etwa 150 Zeitungen und Zeitschriften. Die Bestände umfassen derzeit über 470 Regalmeter. Die ältesten Unterlagen, es handelt sich um Handschriften, datieren aus dem 15. Jahrhundert.

In der Heimatbücherei findet sich Johann Ulrich Pregizers „Deutscher Regierungs- und Ehren-Spiegel ...; Besonders des Hauses Hohenzollern, Ursprung, Würde und Herrlichkeiten“ aus dem Jahre 1703 ebenso wie das 1928 erschienene, autobiographische Werk „Lebensreise im Komödiantenwagen. Erinnerungen einer Schauspielerin“ von Olga Heydecker-Langer, in dem unter anderem das frühere Sigmaringer Hoftheater eindrucksvoll beschrieben wird. Dies ist übrigens ein Buch, das sich erst wieder in einer Bibliothek der Universität des Saarlandes in Saarbrücken findet.(13) Auch das 1899 erschienene Werk von Friedrich Losch über die „Volksnamen der Pflanzen auf der Schwäbischen Alb“ steht in den Regalen der Heimatbücherei. Aufbewahrt ist hier ebenfalls eine weitgehend vollständige Ausgabe des „Roten Zoller“, einer von 1931 bis 1933 in Hechingen erschienen kommunistischen Zeitung, und darüber hinaus manche andere Lokalzeitung.

Neben seltenen Druckwerken gibt es ganze Vereinsarchive in der Heimatbücherei, der beispielsweise die frühere Hechinger Museumsgesellschaft und der Musikverein sinnvollerweise ihre Unterlagen übergaben. Ähnlich wurden der Bibliothek manche Nachlässe von Privatpersonen übereignet, z. B. Stücke aus dem Nachlass des Hechinger Heimatdichters und Schriftstellers Ludwig Egler. In diesem Zusammenhang sei auf einen Teil des Nachlasses Walter Sauter aufmerksam gemacht, den „Sauter-Index“, ein Kompendium, das in Form eines sachthematischen Indexes auf rund 3.500 Seiten Hechinger Lokalzeitungen im Zeitraum von 1829 bis 1970 erschließt. In dieses Werk kann in der Heimatbücherei Hechingen, aber auch im Hechinger Stadtarchiv, im Staatsarchiv Sigmaringen und im Kreisarchiv Zollernalbkreis Einsicht genommen werden. Damit sei nur ein kleiner Einblick in die reichhaltigen Bestände der Bücherei gegeben, die teils einzigartig und vielfach nicht nur für Hohenzollern, sondern für den gesamten süddeutschen Raum relevant sind.

Ein gravierendes Problem stellt sich, wie anderen Bibliotheken, auch der Heimatbücherei: Bei zahlreichen Werken besteht mittlerweile Restaurierungsbedarf, sei es dass die Einbände beschädigt sind, sei es dass sich stark säurehaltiges Papier zersetzt. Wie die notwendigen Restaurierungsarbeiten finanziert werden, ist derzeit noch weitgehend ungeklärt.

Da die Finanzmittel und die Raumkapazitäten der Heimatbücherei beschränkt sind, kommen die Kreisarchive Sigmaringen und Zollernalbkreis sowie das Stadtarchiv Hechingen in zunehmendem Maße als Kooperationspartner für eine Aufgabenteilung bei der Sammlung von Zollerana in Betracht. So werden in der Heimatbücherei keine Lokalzeitungen mehr aufbewahrt, da jeder Zeitungsjahrgang beträchtlichen Regalraum in Anspruch nimmt, abgesehen von den nicht unerheblichen Kosten für die Bindearbeiten. Die Hechinger Tageszeitungen werden im Stadtarchiv Hechingen und im Kreisarchiv Zollernalbkreis gesammelt und zeitnah mikroverfilmt, wobei nicht zuletzt aus Sicherungsgründen eine derartige Aufbewahrung an zwei Standorten sinnvoll erscheint, denn gerade die Erfahrungen mit hohenzollerischen Lokalzeitungen lehren, wie schnell historisch wertvolle Presseerzeugnisse für immer verloren gehen können. In den genannten Archiven sind die Zeitungen leicht zugänglich und brauchen nicht zusätzlich in der Heimatbücherei aufbewahrt werden. Eine Arbeitsteilung zwischen Bücherei und Archiven gibt es auch bei der Zeitungsausschnittsammlung. Eine derartige Sammlung zu allen Orten im früheren hohenzollerischen Gebiet kann mit dem Personal der Heimatbücherei nicht mehr geleistet werden. Dafür existieren jedoch in den Kreisarchiven Sigmaringen und Zollernalbkreis sowie im Staatsarchiv Sigmaringen Zeitgeschichtliche Sammlungen, die einen Großteil des ehemals zollerischen Gebiets abdecken, so dass man sich in der Heimatbücherei auf die Sammlung von Artikeln zu historischen Themen beschränken kann.

Erschließung und elektronische Erfassung

Zugänglich war der umfangreiche Buchbestand der Heimatbücherei bis vor wenigen Jahren traditionell über eine handschriftlich geführte Autoren- und Schlagwortkartei und partiell über die Bibliographie der Hohenzollerischen Geschichte. Insbesondere die Schlagwortkartei ist für die Nutzer von zentraler Bedeutung, denn damit können Schriften zu bestimmten Sachthemen gezielt gesucht werden. Hier wird ein Forscher beispielsweise zu einzelnen Vereinen oder den Themen „Auswanderungen“ oder „Bierbrauerei“ genauso fündig wie zu den Feldern „Exorzismus“, „Feuerwehr“, „Namensforschung“ oder „Räuber“. Hinzu kommen gezielte Hinweise auf Unterlagen, die sich in den einzelnen Sammelmappen befinden. Recherchiert werden kann ebenfalls zu Personen, etwa zu Persönlichkeiten der von den Nationalsozialisten ausgelöschten Hechinger Judenschaft.

Klar - eine derartige Erschließung der Heimatbücherei mittels Karteien ist äußerst zeitaufwendig und kompliziert. Hinzu kommt, dass ein Nutzer, der im Umgang mit Bibliotheken nicht sehr geübt ist, sich praktisch nicht alleine zurechtfindet und durch den Bibliothekar intensiv beraten werden muss. Dies war Grund genug, eine einfachere, zeitgemäße Lösung mit Hilfe der elektronischen Datenverarbeitung anzustreben. Im Juli 2000 begann die elektronische Titelaufnahme im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme unter Leitung des Kreisarchivs Zollernalbkreis. Mit Hilfe eines EDV-Programms werden die Bestände der Heimatbücherei bibliothekarisch erfasst. Für eine spätere Suche wird ein Orts- und Personenindex angelegt; zusätzlich werden für die einzelnen Titel Schlagwörter vergeben. Damit ist gewährleistet, dass die Nutzer künftig schnell und zielgerichtet diejenigen Werke finden, die für ihr Thema in Frage kommen. Festgehalten wird auch der Erhaltungszustand der Bücher, damit sie gegebenenfalls einmal restauriert werden können.(14)

Die Bestände sind an das Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) angeschlossen. Im Regionalkatalog Stuttgart – Tübingen (Bibliothekssignatur Heh 2) sind gezielt die Buchtitel recherchierbar. Als besonderer Service ist es hier möglich, nach "Lokalen Schlagworten" zu recherchieren.

Nutzung

Die Hohenzollerische Heimatbücherei ist eine öffentliche Leihbücherei, die für alle zugänglich ist. Ausgeliehen werden Bilder, Bücher und Zeitschriftenbände, die ab 1891 erschienen. Wegen ihres Wertes und der Schwierigkeit, die Werke bei Verlust wieder zu beschaffen, werden vor dieser Zeit erschienene Werke nicht ausgeliehen. In diese kann jedoch ebenso wie in die Sammelmappen und Zeitungsbände, die ebenfalls nicht ausgeliehen werden, vor Ort Einsicht genommen werden. Die Nutzer können in der Heimatbücherei gegen Kostenersatz Fotokopien herstellen.(15) Und genutzt wird die Bibliothek seit eh und je gern und häufig. Oftmals reicht das Platzangebot an den Mittwochnachmittagen kaum aus. Es sind Heimatforscher, die der Geschichte ihres Ortes nachgehen, Schüler, die eine Hausarbeit schreiben, Studenten mit Seminar- und Examensarbeiten, aber auch Doktoranden oder Professoren ebenso wie Lehrer und Journalisten.(16)

Welche speziellen Thematiken recherchiert werden können, sei anhand von zwei Beispielen aufgezeigt, die die eingangs gestellten Fragen nach den Beziehungen von Albert Einstein und Friedrich Wolf zu Hechingen aufgreifen. Wird in das Suchprogramm „Albert“ und „Einstein“ eingegeben, so erscheinen immerhin sieben Hinweise auf in der Bücherei vorhandene Biographien und Sammelmappen sowie eine Stammtafel der Familien Baruch und Einstein. Daraus sind dann unter anderem Einzelheiten zu Elsa Einstein, der aus Hechingen stammenden, zweiten Frau Albert Einsteins, und deren Familie zu erfahren. Die Eingabe „Friedrich“ und „Wolf“ zeigt sogar rund 60 Treffer an. Neben den Gesammelten Werken von Friedrich Wolf werden mehrere Sammelmappen aufgeführt, aus denen unter anderem deutlich wird, dass der von 1921 bis 1926 in Hechingen lebende Arzt und Schriftsteller und spätere Botschafter der DDR in Polen durch das Grosselfinger Narrengericht Anregungen für sein Bauernkriegsdrama „Der Arme Konrad“ erhielt und dort das Narrengericht szenisch verarbeitete. Zugleich wird in der Trefferliste hingewiesen auf die Unterlagen zu seinem in Hechingen geborenen Sohn Markus Wolf, dem späteren „Spionagechef“ als Leiter der „Hauptverwaltung Aufklärung“ im DDR-Staatssicherheitsministerium, ebenso wie auf den in Hechingen lebenden Onkel von Friedrich Wolf, Landgerichtsrat Dr. Moritz Meyer, welcher „Sinai Briefe. Glossen eines Rechtsgelehrten“ an seinen Neffen verfasste. Diese Persönlichkeit wäre wiederum einen eigenen Beitrag wert. Aus den Beispielen geht hervor, welches Detailwissen in der Bücherei gespeichert ist.

Ausblick

In der Heimatbücherei Hechingen besteht eine bedeutende Spezialbibliothek, die allen Forschenden zu Hohenzollern aber auch zum gesamten deutschen Südwesten eine wichtige Hilfe bietet. Sie stellt ergänzend zum Staatsarchiv Sigmaringen mit seinem Depositum Fürstlich Hohenzollernsches Haus- und Domänenarchiv sowie den Kreis- und Stadtarchiven nicht allein Literatur, sondern auch einzigartiges Quellenmaterial als Grundlage zur Erforschung der hohenzollerischen Geschichte zur Verfügung. Es wird stets daran zu arbeiten sein, diese einmalige Institution und dieses Kleinod auf einem aktuellen Stand zu halten. Der 1954 von Ernst Senn formulierte Wunsch gilt auf seine Weise immer noch: möge die „Bücherei ... neben ihrer Bedeutung für die Heimatforschung und neben ihrer Rettungsfunktion für sonst zu Grunde gehendes, gedrucktes Kulturgut als das literarische Gedächtnis Hohenzollerns dahin wirken, das Vergangene der Gegenwart ins Bewusstsein zu heben, ihr Werden verständlich zu machen und damit zu helfen, die Erinnerung an das alte Hohenzollern und seine Eigenart zu bewahren, um so seine innere Einheit zu retten, jetzt wo die äusseren Grenzen gefallen sind.“(17)

Literatur

  • Walter Bernhardt/Rudolf Seigel, Bibliographie der Hohenzollerischen Geschichte, Sigmaringen 1975 (Zeitschr. f. Hohenz. Geschichte Bd. 10/11 zugleich: Arbeiten zur Landeskunde Hohenzollerns Bd. 12), S. 6f.
  • Heinrich Faßbender, Unsere Hohenzollerische Heimatbücherei in Hechingen hat ihr drittes Jahrzehnt hinter sich gebracht, in: Hohenz. Heimat 9 (1959), S. 37 – 38
  • Thomas Jauch, Rolf Vogt neuer Leiter der Hohenzollerischen Heimatbücherei, in Hohenz. Heimat 78 (2018), S 95 - 96 (217,5 KiB)
  • Johann Adam Kraus, Dr. med. Ernst Senn zum Gedächtnis, in: Hohenz. Heimat 12 (1962), S. 20
  • Ernst Senn, Der Aufbau der Hohenzollerischen Landesforschung 1935 – 1938. Erstrebtes und Erreichtes, in: Hohenz. Jahreshefte 5 (1938), S. 1 – 93, bes. S. 12, 27ff., S. 52ff.
  • Hans Speidel, Die Hohenzollerische Heimatbücherei in Hechingen, in: Hohenz. Heimat 32 (1982), S. 3 – 5
  • Rolf Vogt, In dritter Generation: Die Hohenzollerische Heimatbücherei wird 80, in: Hohenz. Heimat 58 (2008), S. 45-48
  • Andreas Zekorn, Die Heimatbücherei Hechingen wird elektronisch erfaßt, in: Hohenz. Heimat 51 (2001), S. 35 – 36

Quellen

  • Heimatbücherei Hechingen, K 175, K 266
  • KreisA BL, Hech 2, Ordner Hohenz. Heimatbücherei
  • Kreis A BL, Nachlass Sauter, Bl. 2387 – 2391
  • KreisA BL, Registratur 044.37

Fußnoten

(1) Hohenzollern, hrsg. von Fritz Kallenberg, Stuttgart 1996, hier S. 15ff.
(2) Heinrich Faßbender, Heimatkunde und Heimatschutz, in: Der Zoller Nr. 82 (7.4.1928); ders., Heimatbücherei (1959), S. 37. – Die erste Anregung zur Gründung einer Landesbibliothek machte der Hechinger Stadtpfarrer Dr. Holl 1919 (Hohenzollerische Blätter 172 (31.7.1919). Diese Anregung wurde offenbar nicht weiter verfolgt.
(3) Faßbender, Heimatbücherei. – 10 Jahre Hohenzollerische Heimatbücherei, in: Hohenz. Blätter 86 (13.4.1939).
(4) Zu den Geschwistern vgl.: Johann Adam Kraus, Dr. med. Ernst Senn zum Gedächtnis, in: Hohenz. Heimat 12 (1962), S. 20. – Eine „Hohenzollerische Landesbücherei“ entstand – gegen den Willen von Ernst Senn - 1941 in Sigmaringen, die mittlerweile an das Kreisarchiv Sigmaringen überging.
(5) Senn, Aufbau der Hohenzollerischen Landesforschung (1938), S.27f. – Ähnlich bereits 1930 in einem Presseartikel: Die Hohenzollerische Heimatbücherei beim Gymnasium Hechingen als hohenzollerische Landesbibliothek, in: Der Zoller 130 (6.6.1930).
(6) Ernst Senn, Die Hohenzollerische Heimatbücherei beim Gymnasium Hechingen als hohenzollerische Landesbibliothek, in: Der Zoller 130 (6.6.1930). - Nicht bezuschusst wurde die Bücherei vom „hohenzollerischen Landesausschuß“ (Senn, Aufbau der Hohenzollerischen Landesforschung, S.54). 
(7) Faßbender, Heimatbücherei (1959), S. 38. 
(8) Senn, Aufbau der Hohenzollerischen Landesforschung, S.55ff. 
(9) 10 Jahre Hohenzollerische Heimatbücherei, in: Hohenz. Blätter 86 (13.4.1939). 
(10) Faßbender, Heimatbücherei (1959), S. 38; Speidel, Heimatbücherei, S. 4; KrABL Hech 2 a, Az. 5631,2 Heimatbücherei Hechingen. 
(11) Satzung der „Hohenzollerischen Heimatbücherei“ – Hechingen, 1.3.1954 KrABL Hech 2 a, Az. 5631,2 Heimatbücherei Hechingen. 
(12) Zu den Schenkungen: Senn, Landesforschung, S. 57; Faßbender, Heimatbücherei (1959), S. 38; Speidel, Heimatbücherei, S.4.                                            
(13) Vgl. den Online-Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (SWB).                                          
(14) Andreas Zekorn, Die Heimatbücherei Hechingen wird elektronisch erfaßt, in: Hohenz. Heimat 51 (2001), S. 35 – 36.                                      
(15) Heimatbücherei Hechingen, Ausleihbedingungen, September 2003
(16) Zu den Nutzerkreisen: Faßbender, Heimatbücherei (1959), S. 38. 
(17) Dr. Ernst Senn, Schreiben vom 30. Juni 1954 anlässlich seiner Stiftung für die Hohenzollerische Heimatbücherei“. KrABL, Hech 2, Az. 5631,2 Heimatbücherei Hechingen.

Systematik der Heimatbücherei Hechingen

A Allgemeine Landeskunde
B Landkarten und Kartenkunde, Vermessungswesen
C Heimatkunde, Denkmalpflege, Literaturnachweis, wissenschaftl. Hilfsmittel
D Geologie, Erdbebenforschung, Klima, Himmelserscheinungen
E Pflanzen- und Tierkunde, Menschenkunde, Hygiene
F Sprache- und Stammforschung, Namensforschung
G Politische Geschichte
H Gesetze, Verordnungen, Verwaltung, Statistiken
J Unterhaltungsliteratur
K Kulturgeschichte
L Kunst
M Periodische Schriften
N Hohenzollerische (Schul-)Schriften
O Vereins-Satzungen
P Vereinsschriften (Festschriften)
Q Zeitungen, Sondernummern, Ausschnitte
R Hohenzollerische Judenschaft
S Die Evangelischen in Hohenzollern
T Katholisch-kirchliche Schriften
U a Lebensbilder, Fürstl. Haus
U b Sonstige Hohenzollern
V Schriften hohenzollerischer Verfasser über nichthohenz. Stoffe
W Doktordissertationen hohenz. Verf. über nichthohenz. Stoffe
X Drucke aus hohenzollerischen Verlagen
Y Periodica