Frühes bis hohes Mittelalter

von Dr. Andreas Zekorn

Schmuck einer reichen Alemannin, Grabfund bei Täbingen
Schmuck einer reichen Alemannin, Grabfund bei Täbingen (Stadt Rosenfeld, Zollernalbkreis)

Die frühesten Fundstücke aus alemannischer Zeit datieren aus dem 3./4. Jhd. Die frühmittelalterlichen Siedler orientierten sich vielfach an erhaltenen Straßen und kultivierten Gebieten. Erst im frühen 6. Jahrhundert begann die flächige Besiedlung des Albvorlandes. Auf fast jeder Markung des Kreises wurden Reihengräberfriedhöfe entdeckt, die auf zahlreiche, wohl meist kleinere Ansiedlungen hindeuten. Die Endungen der Ortsnamen auf "-ingen" verweisen auf Siedlergemeinschaften, die sich nach dem Haupt oder Gründer der Siedlung benannten. Wie Funde belegen, waren es wohl Menschen aus den verschiedensten Gegenden, die zuwanderten, sie kamen beipielsweise aus Franken, Thüringen und Südskandinavien.

Die Christianisierung der Alemannen begann um 600 vom Bodenseeraum ausgehend. Später förderten die Franken die weitere Christianisierung, um Alemannien in ihr Reich zu integrieren. Wichtige Impulse gingen von den Klöstern Reichenau, St. Gallen und Lorsch aus. Die Orte im Kreisgebiet gehörten zum Bischofssitz Konstanz, die nach der Reformation beim alten Glauben gebliebenen Orte noch bis 1821, als das Bistum aufgehoben wurde.

Teile des Kreisgebiets befanden sich in Herrschaftsbereichen, die mit den ursprünglichen Landschaftsnamen Baar (evtl. fruchttragendes Land, unter Umständen auch: zinsertragendes Land) und "Scherra" (Gegend der schroffen, starrenden Felsen) in Verbindung stehen. In der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts entstanden bei der Einführung der fränkischen Grafschaftsverfassung mehrere Grafschaften, welche die alten Landschaftsbezeichnungen trugen. Ein Großteil des heutigen Kreisgebietes gehörte zur Grafschaft Scherra. Aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts datieren auch die ersten schriftlichen Zeugnisse über Orte des heutigen Kreisgebiets. Meist sind es Urkunden, die Schenkungen an Klöster belegen, vor allem an das Kloster St. Gallen.

Als seit dem 10. Jahrhundert das Grafenamt erblich zu werden begann, entstanden Adelsfamilien, die über Grafentitel und -rechte erblich verfügten. Zudem festigten diese Familien durch das Vogteirecht, die Schutzgerechtigkeit, über kirchlichen Besitz ihre Machtstellung. Im 11. Jahrhundert waren derartige Grafen, die zum Hochadel zählten, etwa die Zollern, 1061 erstmals erwähnt, welche die Scherragrafschaft und die ehemalige "Hattenhuntare", das Gebiet um die namengebende Burg Zollern, inne hatten. Diese Grafschaften bildeten aber keine geschlossenen Territorien, vielmehr gab es innerhalb ihrer Grenzen Besitzungen von Klöstern und Hoch- oder Edelfreien, wie z.B. den der Herren von Winzeln (Burg auf dem Wenzelstein bei der Lochen) oder der Herren von Nusplingen. Schließlich finden sich noch Ritter bzw. Dienstleute (Ministeriale), die häufig als Herren der Bauern die Dorfherrschaft ausübten. Ministeriale und sozial absteigende Edelfreie verbanden sich auf einer Stufe und bildeten den niederen Adel.


Württemberg, Habsburg und Hohenzollern - Territoriale Vielfalt vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert