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Feuersalamander aus Schacht bei Binsdorf gerettet

In einem Schacht sind mehrere Feuersalamander

Das sehen auch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Unteren Naturschutzbehörde nicht alle Tage: in einem Lichtschacht an einem Wasserhäuschen im Wald bei Binsdorf wurde eine Vielzahl an Feuersalamandern entdeckt. Den Fund meldete Andre Schmid, ehrenamtlicher Regionalbetreuer des Amphibien/ Reptilien-Biotop-Schutz Baden-Württemberg e. V. (ABS) der Unteren Naturschutzbehörde. Mitarbeiter des Sachgebiets Kreisökologie am Landratsamt befreiten daraufhin gemeinsam mit der Binsdorfer Feuerwehr die leuchtend-gelb gefleckten Tierchen. 

Die glatten Betonwände des etwa zwei Meter tiefen Schachts machten ein Entkommen der kleinen Tiere unmöglich. Eine Rettungsaktion war deshalb notwendig. Unter tatkräftiger Unterstützung der Feuerwehr Binsdorf wurde eine Leiter hinabgelassen, die Salamander durch den mitgebrachten Feuerwehrnachwuchs per Hand eingesammelt und über Seil und Eimer aus ihrer misslichen Lage befreit.

Mehr als 70 Einzeltiere inklusive einer kleinen Erdkröte konnten so wieder an die Oberfläche gebracht werden, dazu alle noch lebendig. Da das gelbe Fleckenmuster der Feuersalamander wie bei einem Fingerabdruck bei jedem Tier einzigartig ist, wurden vor Ort alle Tiere fotografisch dokumentiert. „So können bei zukünftigen Funden mitunter wertvolle Rückschlüsse gezogen werden, beispielsweise über das Alter oder Wanderbewegungen der Tiere“, so Dr. Pascal Abel, der bei der Unteren Naturschutzbehörde als Biotopverbundbotschafter tätig ist. Im Anschluss wurden die Feuersalamander an verschiedenen Stellen im Umkreis wieder in die Natur entlassen.

Doch wie kamen überhaupt so viele Feuersalamander in den Schacht? Auch wenn Feuersalamander den Eidechsen ähneln, gehören sie genau wie Frösche, Kröten und Molche zur Gruppe der Amphibien. Erwachsene Feuersalamander leben fast ausschließlich an Land, als Larven sind sie jedoch wie Kaulquappen an ein Leben im Wasser gebunden. Die erwachsenen Tiere wandern deshalb jedes Jahr zu ihren Laichgewässern um ihre Jungen zu bekommen. Der Schacht dürfte hier direkt in einer dieser Wanderrouten liegen. Ein kleiner Waldhang wird hier auf zwei Seiten sowohl von einer Mauer als auch von dem Häuschen der Wasserversorgung begrenzt, die Salamander werden deshalb jedes Jahr ungewollt direkt auf den Schacht zugeleitet. An einer offenen Stelle stürzen sie dann hinab. „Die eher kühlen und feuchten Bedingungen am Grund des Schachts sowie die dort zahlreich vorhandenen lebenden Kleintiere wie Schnecken und Insekten könnte es den Salamandern erlaubt haben trotz der ansonsten sehr widrigen Umstände dort sogar mehrere Jahre zu überleben“, sagt Nils Reiser, Amphibienkenner und Kreisökologe bei der Unteren Naturschutzbehörde. „Für den gesamtdeutschen Bestand hat Baden-Württemberg aufgrund der Verbreitung der Art eine besonders hohe Verantwortung. Umso wichtiger sei es daher, die Tiere wieder in deren natürliches Habitat zu entlassen um wieder eine Fortpflanzung zu ermöglichen“, so Reiser weiter. 

Nach der gelungenen Rettungsaktion wurde der Schacht zunächst provisorisch abgedeckt. Die Wasserversorgungsgruppe arbeitet bereits an einer Lösung um den Schacht noch in dieser Woche langfristig abzusichern.

Die Untere Naturschutzbehörde dankt dem Zweckverband Wasserversorgungsgruppe Kleiner Heuberg, Bürgermeister Oliver Schmid und besonders der Feuerwehr Binsdorf für die wertvolle Unterstützung.