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Elektrifizierung der Zollern-Alb-Bahn Tübingen-Sigmaringen: Projektpartner informieren zum Zeit- und Umsetzungsplan

Die Deutsche Bahn, das Land Baden-Württemberg, der Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb sowie die Landkreise Sigmaringen, Zollernalbkreis und Tübingen treiben die Elektrifizierung der Zollern-Alb-Bahn von Tübingen nach Sigmaringen gemeinsam weiter voran. Nun haben die Projektpartner sich für Ausbau und Elektrifizierung der Strecke auf die Eckwerte eines gemeinsamen Zeit- und Umsetzungsplans verständigt, nach dem der elektrische Betrieb stufenweise ab spätestens 2038 aufgenommen werden kann.

Mit dem nun abgestimmten Vorgehen sollen die Planungen für Ausbau, Modernisierung und Elektrifizierung der Bahnstrecke von Tübingen nach Sigmaringen zügig fortgeführt werden. Ziel ist es, möglichst rasch mit den ersten Arbeiten entlang der Strecke zu beginnen. Hierfür haben die Beteiligten neben einem für alle verbindlichen Zeitplan zusätzlich weitere Beschleunigungspotenziale definiert, die bis zum Abschluss des Projekts laufend geprüft und, wo immer möglich, umgesetzt werden sollen.

Basisvariante und Chancenvariante
Die Basisvariante sieht eine Umsetzung der Elektrifizierung von Tübingen nach Albstadt-Ebingen bis zum Jahr 2039 vor. Im Folgejahr würde dann Sigmaringen erreicht. Weiteres Beschleunigungspotenzial ergibt sich aus einer sogenannten Chancenvariante. Sie beinhaltet insbesondere ein beschleunigtes Planungs- und Genehmigungsverfahren. Hinzu kommt die Umsetzung der Strecke in einem Partnerschaftsmodell. Dabei wird die Bauwirtschaft eng in die Gesamtverantwortung für Planung, Koordination und Umsetzung eingebunden. Die Projektpartner sehen darin insbesondere Vorteile hinsichtlich Planungssicherheit, Terminsteuerung und Ressourceneffizienz. Vergleichbare Modelle wurden im Land Baden-Württemberg und darüber hinaus bereits erfolgreich erprobt.

Abschnittsweise Realisierung
Die Projektpartner haben sich weiterhin darauf verständigt, dass der Ausbau in vier Abschnitten realisiert werden soll. Start der Bauarbeiten ist in Tübingen, wo heute das elektrifizierte Streckennetz endet. Die anschließenden Ausbauabschnitte sind:

- Tübingen – Hechingen (24,7 km)
- Hechingen – Balingen (17 km)
- Balingen – Albstadt (17,9 km)
- Albstadt – Sigmaringen (27,9 km)

Die Abschnittsbildung ermöglicht es, die Einschränkungen durch den Bau zu minimieren und den Zugverkehr auf den jeweils nicht betroffenen Streckenabschnitten weiterhin aufrechtzuerhalten. Für gesperrte Bereiche wird es jeweils einen auf die Züge abgestimmten Schienenersatzverkehr geben. Nach der Fertigstellung eines Bauabschnitts soll der Bahnverkehr dort schnellstmöglich (und dann elektrisch) wieder aufgenommen werden. Dadurch profitieren bereits fertiggestellte Abschnitte frühzeitig von der Wiederherstellung der umsteigefreien Anbindung an den Knoten Stuttgart und neuen Direktverbindungen zum Flughafen und zur Messe.

Vorabmaßnahmen
Um den vereinbarten Zeitplan zu stabilisieren und auch weiter zu beschleunigen, wollen die Projektpartner bereits vor Beginn der eigentlichen Elektrifizierungsarbeiten einzelne Vorabmaßnahmen umsetzen. Dazu gehören beispielsweise die Herstellung der erforderlichen Bahnstromversorgung, Bahnsteigmodernisierungen und die vorgezogene Erneuerung von Brückenbauwerken entlang der Strecke.

Projektkosten
Die Gesamtkosten für Ausbau und Elektrifizierung der Zollern-Alb-Bahn von Tübingen bis Albstadt liegen mit Preisstand 2026 voraussichtlich bei 1.503 Mio. EUR. Für den Abschnitt von Albstadt bis Sigmaringen liegen die Kosten, ebenfalls mit Preisstand 2026, voraussichtlich bei 200 Mio. EUR. Für beide Abschnitte ist mit Zuschüssen aus dem GVFG-Bundesprogramm in Höhe von 75 %, bei der Elektrifizierung sogar 90 % der Baukosten durch den Bund zu rechnen. Hinzu kommen ergänzende Landeszuschüsse. Dabei plant das Land, 50% der Ausbaukosten beziehungsweise 100% der Elektrifizierungskosten, die nicht durch den Bund finanziert werden, zu übernehmen. An der Vorfinanzierung der Leistungsphasen 3 und 4 plant das Land ebenfalls eine Beteiligung in Höhe von 50 % der Kosten.

Stimmen der Projektpartner
Eugen Höschele, Vorsitzender des Zweckverbands Regional-Stadtbahn Neckar-Alb:
„Seit der Übernahme der Verantwortung für die Zollern-Alb-Bahn im Jahr 2024 hat der Zweckverband mit großem personellem und finanziellem Einsatz daran gearbeitet, die Elektrifizierung der Zollern-Alb-Bahn entscheidend voranzubringen. Gemeinsam mit DB, Land und kommunalen Partnern ist es nun gelungen, einen belastbaren Zeit- und Umsetzungsplan zu vereinbaren. Der Zweckverband wird aber auch künftig jede Möglichkeit zur weiteren Beschleunigung konsequent weiterverfolgen und einfordern. In diesem Zusammenhang versprechen wir uns viel von einem Partnerschaftsmodell mit der Bauwirtschaft. Nun kommt es entscheidend darauf an, dass alle Beteiligten gemeinsam und unverzüglich ins Handeln kommen und die vereinbarten Maßnahmen zügig umsetzen.“

Philipp Langefeld, Leiter Infrastrukturprojekte Südwest, DB InfraGO AG:
„Mit der Elektrifizierung und dem Ausbau sind Fahrgäste auf der Zollern-Alb-Bahn zukünftig noch umweltfreundlicher, leiser und zudem zuverlässiger unterwegs. Wir freuen uns auf dieses neue wichtige Projekt und über den großen Rückhalt von Region und Land. Zusammen mit der noch abzuschließenden Planungsvereinbarung ist das eine gute Ausgangsbasis für die weitere partnerschaftliche Zusammenarbeit und die Erreichung der Projektziele.“

Gerd Hickmann, Abteilungsleiter Öffentlicher Verkehr im Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg:
Für das Land Baden-Württemberg zählt der Ausbau und die Elektrifizierung der Zollern-Alb-Bahn zu den wichtigsten Projekten des regionalen Schienenausbaus. Die Strecke ist das Rückgrat der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb. Sie erschließt einen nachfragestarken Raum und mit der Elektrifizierung sollen wieder durchgehende Verbindungen nach Stuttgart hergestellt werden, die nach der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 sonst nicht mehr möglich sind. Wir planen, die kommunalen Partner dabei mit verbesserten Konditionen bei den Landeszuschüssen, die die Bundesförderung ergänzen, unterstützen.
 
Stefanie Bürkle, Landrätin Landkreis Sigmaringen:
„Ab der kommenden Leistungsphase 3 wird die Zollern-Alb-Bahn mit ihren beiden Abschnitten als ein gemeinsames Kernprojekt des Landes Baden-Württemberg ausgebaut und elektrifiziert. Für den Landkreis Sigmaringen ist dies ein wichtiger Meilenstein. Gemeinsam gilt es nun, Geschwindigkeit in Planung und Realisierung aufzunehmen. Hierfür wollen wir neue Wege gehen und streben – analog dem Neubau der Bertha-Benz-Schule – auch in diesem Projekt bereits für die Planung ein Partnerschaftsmodell mit der Bauwirtschaft an. Die DB realisiert dieses Modell bundesweit bereits auf elf Strecken. Ich könnte mir vorstellen, dass die Zollern-Alb-Bahn ihr zwölftes Modell werden könnte. Das würde die Planungen beschleunigen, Kosten sparen und die Anbindung des ländlichen Raums an Stuttgart und die nationalen Fernverkehrsverbindungen verbessern.“
 
Günther-Martin Pauli, Landrat Zollernalbkreis:
„Viel zu lange musste die kommunale Seite eine zunehmende Qualitätsverschlechterung der Bahnstrecke hinnehmen. Deshalb haben die kommunalen Projektbeteiligten unter der Federführung des Zollernalbkreises im Jahr 2021 mit der Vergabe der Vorplanung den Grundstein für den heutigen Projektfortschritt gelegt. Nun gilt es, beim Zeitplan Verbindlichkeiten zu schaffen und zugleich die Möglichkeiten zur Beschleunigung weiter im Blick zu behalten. Dazu müssen die Vorabmaßnahmen wie beispielsweise die Herstellung der Bahnstromleitung zügig angegangen werden. Ein zweites ‚Stuttgart 21‘ darf es nicht geben. Der Personen- und Güterverkehr muss in der Bau- und Umsetzungsphase bestmöglich koordiniert und aufrechterhalten werden.“

Dr. Hendrik Bednarz, Landrat Landkreis Tübingen:
„Die Zollern-Alb-Bahn stellt schon allein aufgrund ihrer Streckenlänge und des enormen Investitionsvolumens das Rückgrat im Gesamtprojekt der Regional-Stadtbahn dar. Die Elektrifizierung und der Ausbau dieses Streckenabschnitts werden einen erheblichen verkehrlichen Mehrwert sowohl für den Landkreis Tübingen als auch für die gesamte Region mit sich bringen. Es ist ein wichtiges Signal, dass sich nun alle Beteiligten von DB, Land und kommunaler Seite in konstruktiven Gesprächen auf einen verbindlichen Zeitplan geeinigt haben. Nun gilt es, diesen Zeitplan mit Leben zu füllen und schnellstmöglich in die Projektumsetzung einzusteigen.“

Projekthintergrund
Eigentümerin und zuständiges Eisenbahninfrastrukturunternehmen für die Zollern-Alb-Bahn ist die DB InfraGO AG. Sie nimmt damit auch die Bauherrenfunktion für die vorgesehenen Ausbau- und Elektrifizierungsmaßnahmen wahr. Der Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb koordiniert die kommunale Projektseite für den Abschnitt Tübingen bis Albstadt-Ebingen („ZAB Nord“) im Rahmen des Gesamtprojekts Regional-Stadtbahn Neckar-Alb. Für den südlichen Abschnitt von Albstadt-Ebingen bis Sigmaringen („ZAB Süd“) sind der Landkreis Sigmaringen und der Zollernalbkreis kommunaler Vertragspartner. Bund und Land fördern den Ausbau aus Mitteln des GVFG-Bundesprogramms.
Die Pläne zur Umsetzung der Strecke sollen in den kommenden Wochen in den jeweils zuständigen kommunalen Gremien beraten werden. Der Abschluss der Planungsverträge mit der Deutschen Bahn und dem Land Baden-Württemberg ist im Anschluss vorgesehen.