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Kreisarchiv
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Mann, dunkle Haare
Dr. Uwe Folwarczny
Leitung Kreisarchiv

Täbinger Chronik von 1854/55 im Kreisarchiv

Chronik des Täbinger Pfarrers Georg Friedrich Wiegandt

„Da sich die Chronik auf Jahr das 1854 nur mit Täbingen und dem, was drinnen und in der nächsten Umgebung passirt, abzugeben vorgenommen hat, so darf vom 1. Monat des neubegonnen Jahrs, wo alle ländlichen Geschäfte stoken und nur die Spindel in der Weiber Hände arbeitet, wenig Neues erwartet werden. Was für Veränderungen im Stande der Bevölkerung eingetreten und wie viele ins Jahr 1854 herübergetretten sind, ist schon am Schluss der Chronik von 1854 genau bemerkt worden. Eben so ist dort pag. 2 verzeichnet, welche Wechsel es in den Personen gegeben die mit Ämtern in der Gemeinde betraut sind. Es mag daher nur noch einiger Todesfälle gedacht werden die im Laufe des Januars vorkamen, sofern nach 2jährigem Leiden ein Jüngling von 20 Jahren der Auszehrung unterlegen und nach kurzem Krankenlager eine Ehefrau von 61 ¼ Jahren an Wassersucht und Schlagfluß gestorben ist. Geboren sind dagegen im Januar 2 Mädchen.“
Dieser Ausschnitt stammt aus der Chronik des Täbinger Pfarrers Georg Friedrich Wiegandt. Die beiden Bücher aus den Jahren 1854 und 1855 wurden dem Kreisarchiv in diesem Jahr übergeben und sind eine wahre Fundgrube zu den damaligen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen in Täbingen.

Täbinger Chronik - Handschrift

Des Weiteren heißt es in der Chronik aus dem Jahre 1854 „Am 3. Februar Morgens 8 ¼ Uhr wird schon Sturm geschlagen. Die Witwe des Schlossers Göhring hatte Werg an den Ofen gelegt, den sie ziemlich eingeheizt hatte. Darauf hatte Sie sich in Waschgeschäften entfernt und ihre 3 kleinen Kinder in der Stube gelassen …“
Mindestens genauso spannend ist jedoch der Hauptanlass der Chronik, die präzise Erfassung der klimatischen Verhältnisse in Täbingen. Der Anlass hierfür war der als sehr streng empfundene Winter des Jahres 1853, der bis in den April hinein starken Frost brachte. Zu genauen Tagesbeschreibungen fertigte Wiegandt zudem umfangreiche Tabellen zu Niederschlag, Luftdruck und Temperatur in Täbingen an. In Anbetracht der globalen Klimaveränderungen bietet diese Chronik einen fundierten Einblick in die klimatischen Verhältnisse des Kleinen Heubergs vor 175 Jahren.
Das Feuer bei der Witwe Göhring wurde indes vom aufmerksamen Nachbarn Birn bald bemerkt und konnte schnell gelöscht werden. Niemand kam zu Schaden.

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